Sonntag, 13. April 2003

OB Schuster droht mit millionenschweren Profilierungskampagnen für Stuttgart

Aber weit gefehlt: schon einen Tag nach dem Verlust der Olympiade erklärt Schuster, daß er eine millionenschwere Kampagne auf den Weg bringen wolle, um das Image der Stadt Stuttgart aufzupolieren. Die Überlegung ist so einfach wie blöde: Stuttgart hatte keine Chance, weil keiner die Schwaben leiden kann = Stuttgart muß sein Image aufbessern. Dann zeigen wir’s denen allen schon.
Allerdings verwechselt Schuster - und das ist mal wieder ganz typisch für das unterentwickelte Selbstbewußtsein dieser Region - Ursache und Wirkung: nicht die Schwaben sind an sich unsympathisch, solch beleidigte Reaktionen machen die Schwaben erst unsympathisch. Dies, und die entsprechenden Kampagnen (vielleicht auch noch die großkotzigen Auftritte schwäbelnder Arbeitgeberverbandsvertreter, man sollte das nicht unterschätzen!). Die Baden-Württemberger sind deutschlandweit erst zu den Deppen der Nation geworden, seit man weiß, daß sie alles können, außer Hochdeutsch. Und auch das wäre, was den Imageverlust betrifft, nur halb so schlimm, wenn man der Kampagne nicht angesehen hätte, wie teuer sie war, einer Kampagne, die durch und durch provinziell-peinlich daherkam, Vorurteile erst schürte, und dabei einen tiefen Blick werfen ließ in oben erwähntes Minderwertigkeitsgefühl von Badenern und Württembergern, das sich, wie bekannt, wenn man sich mit Psychologie beschäftigt, mit Größenwahn stets zu einer unschönen Mischung paart (Olympia).
Wenn wir in der Schwabenmetropole wirklich ein Profilierungsproblem haben, dann können wir das ganz sicher nicht mit weiteren solchen Kampagnen lösen. Eher mit Taten, die aufhorchen lassen. Ein Lothar Späth hatte das rechtzeitig erkannt, er errichtete in Stuttgart eine Heimstatt für die Kultur. Ich bin kein Fan von Späth. Und sicherlich war es damals auch eine ökonomisch anders gelagerte Zeit. Doch nie zuvor und nie wieder seither war das Profil der Stadt Stuttgart deutschlandweit so klar. Und so positiv.

OB Schuster sprengt alle Rahmen kultureller Blödheit
Statt Olympia drohen nun millionenschwere Profilierungskampagnen
Stuttgart wird nicht Olympiastadt. Juhu! Daß alle Kulturbeflissenen in diesem Land sich über die gestrige Entscheidung des NOK gefreut haben, liegt nicht daran, daß sie Sportmuffel sind (ich beispielsweise bin das ganz und gar nicht). Vielmehr hatte man die törichte Hoffnung, daß die Unsummen, die in das größenwahnsinnige Projekt Olympia hätten investiert werden sollen, nun wieder frei werden und auch der Kultur dienlich sein könnten. Auf gut Deutsch: die angekündigten Sparmaßnahmen im kulturellen Bereich in den nächsten Jahren weniger drastisch ausfallen würden.

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