Mittwoch, 23. März 2005

Johann Friedrich von Cotta-Literatur- und Übersetzerpreis 2005 geht an Dr. Petra Morsbach und Michael Walter



Die Schriftstellerin Dr. Petra Morsbach und der Übersetzer Michael Walter sollen den „Johann Friedrich von Cotta-Literatur- und Übersetzerpreis 2005“ der Landeshauptstadt Stuttgart erhalten. Dies hat die Jury unter Vorsitz der Kulturbürgermeisterin Dr. Iris Magdowski einstimmig entschieden. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Die Preisträgerin und der Preisträger erhalten jeweils 10.000 €. Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster wird den Preis am 21. Juni 2005 um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses verleihen.



Die Begründung

Das Gesamtwerk der in Starnberg lebenden Schriftstellerin Petra Morsbach stelle sich formbewusst in die europäische Tradition realistischen Erzählens, betont die Jury. Namentlich in ihrem jüngsten Roman „Gottesdiener“ „hat sie mit großer Liebe zu den Figuren und gründlicher Recherche aller Details eine scheinbar wohlbekannte, von Klischees behaftete Welt – die Welt des katholischen Gemeindelebens in der bayrischen Provinz – mit geradezu ethnografischem Interesse beleuchtet. Sie schildert Glaubenszuversicht und Desillusionierung ihres Helden wirkungsvoll, aber ohne denunziatorische Absicht.“



Der Müncher Übersetzer Michael Walter erhält den Cotta-Preis für Übersetzung für seine – so die Jury – „glänzende, so präzise wie geschmeidige Übertragung“ der ersten 38 Kapitel von Edward Gibbons 1776 und 1788 entstandenem „Decline and Fall of the Roman Empire“ (Verfall und Untergang des römischen Imperiums). Damit werde dem deutschsprachigen Lesepublikum „eines der monumentalen Werke der Goethezeit neu zugänglich gemacht.“ Walter habe „durch seine mustergültige Arbeit einen für unsere Gegenwart bisher fast verschollenen Klassiker der europäischen Geistesgeschichte wieder ans Licht geholt... Nun liegt die Hoffnung darin, dass eine Vervollständigung der Übersetzung bis zum Ende des Byzantinischen Reiches angegangen wird.“



Der Preis

Der „Johann Friedrich von Cotta-Literatur- und Übersetzerpreis der Landeshauptstadt Stuttgart“ wurde 1978 erstmals als „Literaturpreis der Stadt Stuttgart“ verliehen. Auf Vorschlag der Kulturverwaltung beschloss der Verwaltungsausschuss des Stuttgarter Gemeinderats 2003 die Neukonzeption und Umbenennung. Er legte die Dotierung auf 20.000 Euro und den Turnus der Preisvergabe auf drei Jahre fest und hob die regionale Begrenzung auf Baden-Württemberg auf. Der Preis wird nun „für herausragende deutschsprachige erzählende Literatur und/oder publizistische Essayistik“ und „für überragende Übersetzungen ins Deutsche“ vergeben. Der Preis ist nach dem Verleger und Herausgeber bedeutender Zeitschriften des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, Johann Friedrich von Cotta (1764-1832), benannt.



Die Jury

Die Jury tagte am 15. Februar 2005 unter dem Vorsitz der Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, Dr. Iris Jana Magdowski. Der Jury gehörten die ehemalige Herausgeberin des „Kursbuches“, Ingrid Karsunke, der Schriftsteller Dr. Hanns-Josef Ortheil, der Übersetzer Joachim Kalka und die Literaturkritikerin Julia Schröder sowie die Mitglieder des Gemeinderates Jürgen Sauer, Andreas Reißig und Dr. Michael Kienzle an. Der Leiter des Stuttgarter Kulturamts, Dr. Wolfgang Ostberg, nahm als Vertreter der Verwaltung mit beratender Stimme teil.

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