Sonntag, 29. September 2002

Mellrichstädter Literatur-Werkstattpreis

Aber ganz anders: statt Fördergelder horizontal von oben nach unten zu verteilen, statt sich überhaupt die Mühe zu machen, Fördergelder "von außen" aufzutreiben, wird hier also vertikal verteilt, eine Binnenförderung geschaffen. Richtig so: außer uns Literaten interessiert unsere Literatur doch sowieso kein Schwein, da können wir ja auch gut füreinander aufkommen. Und wenn jedes Kind ebbes gewinnt, hat jedes Kind mal ebbes davon gehabt.
Dieses Thema ist zwar schon einmal gebloggt worden, aber ich finde, man kann gar nicht oft genug auf diesen great poetry-swindle aufmerksam machen. Ich fürchte nämlich, er macht Schule.

Autoren finanzieren Autoren?
Daß man das "unternehmerische Risiko" auch bei Literaturpreisen gering halten kann, bewies der Mellrichstädter Literatur-Werkstattpreis von Beginn an: um den mit 500 EUR dotierten Preis zu finanzieren, wurde und wird ein Startgeld von 10 DM respektive 5 EUR erhoben. Literaturförderung anders.

Kommentare:

  1. Ich halte das ja für ein Gerücht, dass Autoren Bücher anderer autoren lesen (sofern es keine Adressbücher von Förderstellen sind).

    Erst kürzlich erzählte ein Autor am Kneipentisch, dass er ein Widmungsexemplar eines seiner Bücher, dass er einem wesentlich bekannteren Autor geschenkt habe, im Antiquarat wiederfinden musste.

    Das dürfte nicht wirklich selten sein.

    Fragt sich nur: Wenn Autoren schon nicht mehr lesen, wer dann?

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  2. Aber nicht doch, lieber OG, natürlich lesen Autoren Bücher anderer Autoren, weil: wer nicht liest, wird sich (schriftstellerisch) nicht weiterentwickeln, er wird über pseudoliterarisches Lallen nicht hinauskommen. Andererseits sind Autoren ziemlich eifersüchtige, mitunter auch neidische Menschen, die infolge dessen vielleicht lieber Goethe lesen (weil sie so bedeutend wie der nicht sein müssen/ können), als irgend einen Vertreter ihrer Generation, der ja ein besserer Schriftsteller sein könnte als sie, ja. sie fürchten nachgerade die Texte anderer Autoren, weil die eben ihre eigenen an Qualität übertreffen könnten. Was alles eine Frage des Selbstbewußtseins ist. Denn der selbstbewußte Autor wird neidlos anerkennen können, wenn ein anderer bessere Bücher schreibt. Wenn er die nicht liest, bringt er sich selbst um die Möglichkeit, etwas daraus zu lernen.



    Zum Mellrichstädter Spektakel ist nur (und immer wieder) zu sagen: Das wird so lange funktionieren, so lange Autoren dämlich genug sind, diese Startgelder zu zahlen. Ich hatte vor Jahren mal Gelegenheit, über eine ähnliche Veranstaltung zu berichten. Mein Fazit: das war ein Schauplatz für miese Literatur, wo die Autörchen sich aufführten, als bildeten sie das Zentrum der deutschen Literatur und die Jury deckungsgleich die Bachmannpreisjury kopierte, Aber bitte, jeder soll ja mal den Bedeutenden spielen dürfen, nicht wahr, schließlich hat man dafür bezahlt.

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