Dienstag, 4. November 2003

Generalbundesanwalt Kay Nehm erhebt Anklage gegen Richter Adam

Hier grade auf dem Loch, wo jetzo nichts,
Sind die gesamten niederländischen Provinzen
Dem span'schen Philipp übergeben worden.
Hier im Ornat stand Kaiser Karl der Fünfte:
Von dem seht ihr nur noch die Beine stehn.
Hier kniete Philipp und empfing die Krone;
Der liegt im Topf, bis auf den Hinterteil,
Und auch noch der hat einen Stoß empfangen.
Dort wischten seine beiden Muhmen sich,
Der Franzen und der Ungarn Königinnen,
Gerührt die Augen aus; wenn man die eine
Die Hand noch mit dem Tuch empor sieht heben,
So ists, als weinete sie über sich.
Hier im Gefolge stützt sich Philibert,
Für den den Stoß der Kaiser aufgefangen,
Noch auf das Schwert; doch jetzo müßt er fallen,
So gut wie Maximilian: der Schlingel!
Die Schwerter unten jetzt sind weggeschlagen.
Hier in der Mitte, mit der heil'gen Mütze,
Sah man den Erzbischof von Arras stehn;
Den hat der Teufel ganz und gar geholt,
Sein Schatten nur fällt lang noch übers Pflaster.
Hier standen rings, im Grunde, Leibtrabanten,
Mit Hellebarden, dicht gedrängt, und Spießen,
Hier Häuser, seht, vom großen Markt zu Brüssel,
Hier guckt noch ein Neugier'ger aus dem Fenster:
Doch was er jetzo sieht, das weiß ich nicht.

Spielen Söldner eine Rolle (siehe "Batavia")? Und wie werden die Angeklagen reagieren? Werden sie im Fall der Verurteilung vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen? Wir behalten den Fall im Auge und wollen in der nächsten Ausgabe (Nr. 16) der "Heilbronner Kleist-Blätter" (HKB) berichten. - Doch zuvörderst kommt noch Ausgabe 15 (150 Seiten, 7,50 Euro), die man gern vorbestellen darf... Mit Berichten wie: Kleist-Ausgaben in Feldpost und Frontbuchhandel, Kleists Werk in englischen Übersetzungen usw. Die HKB 15 erscheinen Ende November, Inhalt siehe www.kleist.org/hkb/hkbinhalt.htm.

Ach ja, schön, daß die Justiz so menschlich ist und eine Gaudi mitmacht...
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Impressum: Kleist-Archiv Sembdner · Direktor: Günther Emig · Berliner Platz 12 (Theaterforum K3) · D-74072 Heilbronn · E-Mail: kleist@kleist.org · Fax (07131) 56-3699 · Tel. (07131) 56-2668 · Internet: www.kleist.org

Quelle

Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn
Pressemeldung Nr. 111 /4.11.2003 (Sie finden diese und frühere Pressemeldungen unter www.kleist.org/presse)
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Gerechte Strafe oder Justizskandal?
Generalbundesanwalt Kay Nehm erhebt Anklage gegen Kollegen Adam
Geht es wirklich nur um Urkundenfälschung, Korruption, Amtsmißbrauch, sexuelle Nötigung, Unterschlagung, Falschaussage, Erpressung oder Bestechung, wie uns der ZDF-Theaterkanal weismachen will (vgl. www.theaterkanal.de/nachrichten/newsReportComplete?oid=5500191) oder steckt mehr dahinter? Am 5. Dezember 2003 verhandelt der Bundesgerichtshof unter dem Vorsitz von Eike Ullmann, Vorsitzender Richter des 1. Zivilsenats (Anklagevertretung: Generalbundesanwalt Kay Nehm, Verteidiger: RA Hermann Heil, Karlsruhe) gegen den Amtskollegen aus Huisum. Immerhin gab es bereits eine Entscheidung in einer Vorinstanz (Große Strafkammer des Landgericht Osnabrück im Sommer 2001), die zu einer Verteilung zu fünf Jahren (Adam) bzw. 4 1/2 Jahre (Walter) geführt hat. Ist die Anklage etwa erweitert worden? Ein Revisionsverfahren? Neue Anklagepunkte wie Beschädigung ausländischer Regierungen? - Lesen wir doch über das "zerscherbte Paktum" (Adam), den Krug (V. 648ff.):

Kommentare:

  1. 'Adam' ist der Richter Adam aus dem 'Zerbrochnen Krug'. Der Generalbundesanwalt Kay Nehm ist ein Generalbundesanwalt mit starken literarischen Neigungen und ansonsten eben Generalbundesanwalt ;).



    Ich hab auch erst zwei bis dreimal gestutzt, worum es eigentlich geht. ;)



    Aber wenn man mal ne Literaturveranstaltung mit Polizeischutz erlegen will, ist das sicher ne gute Gelegenheit. ;)

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  2. Totally off topic: "Ein Generalbundesanwalt mit literarischen Neigungen." Das klingt fast noch bedrohlicher als: "Ein Generalbundesanwalt mit rechtextremen Neigungen."

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  3. Hä, wie bitte? Worum geht es denn eigentlich hier? Oder viel entscheidender für mich: was hat das denn uHw mit Literatur zu tun?

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  4. ...wobei allerdings die Frage zu stellen ist, was das soll: eine erfundene Figur ins Wirkliche zu zerren, um zu demonstrieren, wie da mit ihr verfahren wäre. Mit literarischen Neigungen scheint mir das wenig zu tun zu haben. Es ist derselbe Unsinn wie die tiefenpsychologische Literaturanalyse, die, um ein Beispiel zu nennen, Hölderlin als Homosexuellen diagnostizierte, weil er einmal gesagt haben soll, er wolle kein Jakobiner mehr sein, woraus dann hergeleitet wurde, er habe gemeint, kein Homosexueller mehr sein zu wollen.

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  5. also, mit verlaub: ich würd ja mit dem interpretieren der absichten warten, bis ich es gesehen habe.



    andren mag es leicht fallen, "a book by its cover" zu beurteilen, mir nicht.



    und mag es nur ein publikumswirksamer hinweis auf kleist und das archiv sein: es hätte wahrscheinlichst mehr sinn als 100 lieder von bohlen.

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  6. @Oli: Weniger Sinn als die 100 Bohlens wäre auch ein noch bedrohlicherer Gedanke.



    @Hans: ich stelle immer wieder fest, daß wir uns unbedingt mal treffen müssen. Ich habe da ein ganzes Buch zum Thema Literaturpsychologie verfaßt ("Nachtmeerfahrer"). Hihi. Allerdings nicht ganz so obenhin wie in Deinem obenhinigen Beispiel.

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  7. @Oli: ich bleibe dabei, einen literarischen Text auf strafrechtliche Konsequenz hin (spielerisch) zu untersuchen, hat mit Literatur(liebe - affinität etc.) nix zu tun. "Irgendwie" habe ich dabei ein merkwürdig ungutes Gefühl und weiß nicht, woher das kommt ...



    @MvArndt: ja, das interessiert mich. Du weißt ja, wo ich wohne.

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