Sonntag, 26. Juni 2005

Das Manifest / Bachmannpreis 2005





Was tun Schriftsteller, wenn es droht, etwas stiller um sie zu werden?
Sie verfassen ein lautes Manifest. Etwas Grundsätzliches also,
möglichst unüberhörbar formuliert. Titel: Was soll der Roman? Es geht
da um sowas wie einen "relevanten Realismus". Was immer das ist.
Jedenfalls sollen Walser & Grass nicht länger das deutsche Gewissen
repräsentieren dürfen, sondern sie wollen ran. Hettche & Co. All
das nahezu parallel (in der ZEIT) zu den Tagen der deutschsprachigen
Literatur (KlagenFurt) veröffentlicht. Wo wieder einmal gähnende
Lageweile herrschte. Und dann doch prämiert wurde. Einer Autorin wurde
eine grosse Begabung allein dadurch bescheinigt, weil ihr Text mit dem
Satz begann: "Wir rauchen beim Ficken. " Kommentar überflüssig.

Kommentare:

  1. Wo wenig Substanz ist, muß man mit dem wenigen eben zufrieden sein. Das ist wie mit der Fußballnationalmannschaft: was wir da heute abend von Deutschland sehen durften, war ja schon beinahe die Krönung eines Fußballzuschauerlebens.
    Es ginge in jedem Falle noch schlimmer:
    Wir riechen beim Ficken. (doof)
    Wir fauchen beim Trinken. (sinnlos)
    Wir rauchen beim Sticken. (zu humorvoll für Deutschland)
    Ergo: Klagenfurt schauen als Schriftsteller (wbl. Formen mitgedacht) beweist ohnehin in erster Linie, daß man den latenten künstlerischen Grundmasochismus noch nicht überwunden hat. Klagenfurt ist Extremabtörning, da muß man eben ab und an auch mal rauchen beim ficken.
    Hat mal jemand Feuer?

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  2. Siehst du, das meine ich: dein letzter Satz: "Hat mal jemand Feuer?" ist genau das, was Klagenfurt und der sog. neuen deutschen Literatur fehlt: Ironie, Sarkasmus, Zynismus, Leben eben. Was nach Hilbig und Co. dort auftauchte war immer blutleer, sozusagen ums Leben gebrachte Wortreihen. "Hat mal jemand Feuer?" Von diesem Satz bin ich begeistert. Weil er einfach passt.

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  3. Ich wollte Dir auch gar nicht ("nicht wirklich") widersprechen, auch wenn ich mir kein Urteil erlauben darf. Klagenfurt kann ich mir nicht antun, spätestens seitdem vor zwei Jahren an einem Wochenende die Texte von zwei lieben Kollegen und Freunden direkt hintereinander in der Luft zerrissen worden sind, habe ich mir geschworen, mich in dieser Zeit vollständig dem Dolce Vita zu ergeben, sonst nicht gerade eine meiner hervorstechendsten Beschäftigungen.
    Ich habe nur im Feuilleton die Zusammenfassungen gelesen, und die waren dementsprechend. Auch die Textauszüge. Aber das heißt ja noch nicht viel, man kann mit jedem beliebigen Textauszug jeden beliebig vors Schienbein treten.
    Ich fand aber auch das Manifest der Hettche-Polityckis durchweg höheren Blödsinn. Einmal steht da gar nicht viel drin, dann ist das wenige auch noch raunend verpackt (raunend! Und das von "Realisten", die schlimmste Entgleisung überhaupt!), dann wiederum könnte ich schon kotzen, wenn ich Wörter wie Realismus derart inflationär gebraucht finde (ich kann allerdings auch schon beim bloßen Wort Realismus kotzen, das ist besser als jeder Finger am Gaumen), und schließlich frage ich mich, wie die Wandlung vom Politycki zum Solitycki wohl aussehen mag, sollte er tatsächlich einmal dahingelangen, sein eigenes Manifest ernstzunehmen. Mehr irrelevante Nabelschau als Politycki geht ja fast nicht (das heißt nicht, daß ich seine Nabelschau entsetzlich fände, ich halte ihn durchaus für einen Humoristen mit Potential).
    Die Krönung freilich ist dennoch die Erwiderung Uwe Tellkamps in der Zeit. Für infantile Sprüche wie
    "Wir müssen gute Bücher schreiben und schlechte vermeiden. The rest is irrelevant."
    sollte man eigentlich auf einen Schlag alle Vorderzähne verlieren.
    Liebe Grüße aus dem Sparring
    M.

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  4. Wenn jemand, als der Autorin eine große Begabung wegen dieses Satzes/ Textes attestiert wurde, auf die Idee gekommen wäre, "Hat mal jemand Feuer?" in den Saal gerufen hätte, wäre dieser Jemand ein würdiger Träger des Bachmannpreises gewesen. - Das Manifest selbst hat mir die Sprache verschlagen. Was für eine (die Literatur bestimmen wollende) Autorengeneration kommt da auf uns zu? Noch dazu, wo ein nicht namentlich genannter Verfasser dieses Manifests tatsächlich Angela Merkel angetragen haben soll, ihr im Wahlkampf zu helfen. Oder ist all dieses höhere Satire, die ich Blödmann nur nicht begreife?

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  5. KORREKTUR: muss natürlich heißen: ... in den Saal zu rufen ... (man bedenke die Schwüle, die das Hirn verflüssigt)

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