Freitag, 2. Juli 2004

Liebe. Was sonst. 12. Juli bis 12. August 2004

Liebe Freunde des Kleist-Archivs Sembdner,

aus vielen Rückfragen das ganze Jahr über wissen wir: Sie sind gespannt, ob und was wir in diesem Jahr zum Thema Literaturlesung im Freien zu bieten haben.

Ob? Ist das die Frage? - Ja, wir haben es uns sehr überlegt, ob wir es noch einmal probieren wollen. Unser zeitlicher und emotionaler Einsatz ist hoch: erst sich was Originelles ausdenken; Vorbereitungen zu treffen zu Zeiten, in denen andere gemütlich ihren Sonntagsnachmittagskaffee trinken; mit einer "lowest-budget-Finanzierung" hinkommen zu müssen (kosten darf's leider nur wenig); wissen, daß man am Ende u. U. sehr handfest zupacken muß, wenn's beispielsweise um so prosaische Dinge wie Auf- und Abstuhlen geht. Ein bißchen auch der Ärger, daß andere finanziell und personell stärker auf Rosen gebettet sind als wir.

Und dann haben wir an Sie, liebe Literaturfreundinnen und -freunde, liebe Fans, gedacht: Wir vertrauen darauf, daß Sie uns nicht hängen werden. Sie haben im letzten Jahr so fleißig mit aufgestuhlt, Sie haben durch Ihre Spenden 60% unserer Unkosten gedeckt. Und irgendwie ist es auch toll, wenn man sich wieder einmal sieht.

Was wir lesen? Als ob das die Frage wäre:

Liebe. Was sonst.

"Liebe. Was sonst." genauso heißt heißt unsere vierwöchige Open-air-Lesereihe, die wir, das Kleist-Archiv Sembdner, vom 12. Juli bis 12. August gemeinsam mit Cornelia Bielefeldt auf dem Heilbronner Hefenweiler (nördliche Inselspitze beim Insel-Hotel) veranstalten.

Jeweils montags und donnerstags um 17 Uhr, bei Regen in der Zigarre, Achtungstr. 37.

Dabei soll jenes elementare Gefühl in ausgesuchten Erzählungen lebendig werden, das die Menschheit seit Anbeginn umtreibt. Schmetterlinge im Bauch, die Momente höchsten Glücks, das man doch nicht festhalten kann, aber auch "Abschied von der Liebe". Wobei das melancholische Moment bitte schön möglichst wenig erlaubt ist. (Elend und Tod gibts schließlich auf dieser Welt genug.)

Unsere Autoren könnten nicht unterschiedlicher sein: Giovanni Boccaccio, Heinrich von Kleist, Gottfried Keller, Guy de Maupassant, Thomas Mann, Anton Tschechow und Thomas Wolfe, um nur mal ein paar Namen zu nennen. Komisch, daß uns das 20. Jahrhundert da so wenig geliefert hat: große Namen zwar, aber viel an Entsagung, Verzweiflung, manchmal auch Zynismus. - Nee, das lassen wir diesmal außen vor. Zu frivol wollen wir aber auch nicht sein, obwohl dies und jenes... Na ja, Sie werden sehen.

Wie wir an die Texte gekommen sind, Cornelia Bielefeldt und ich? Wir haben halt gelesen. Was nicht nach einer halben Seite bei uns gezündet hat, haben wir weggelegt. Erwogen, verworfen. Und jetzt sind wir eigentlich ganz zufrieden.

Wobei wir es uns nicht leicht gemacht haben. Veranstaltungen kann man nämlich auch "einkaufen". Wie Erbsen in der Dose oder Schaschlik in der Vakuumverpackung. Wollten wir aber nicht. Denn wenn man schon Freizeit und Herzblut in eine Sache hängt, soll's auch authentisch sein. Vielleicht haben unsere Open-air-Lesungen deshalb ein bißchen was von Kultstatus bekommen. Weil man dergleichen anderswo selten genug antrifft. "Aus den Knochen gekochte Kraftnahrung statt Instantzeug", so habe ich dies früher mal genannt.

Der Veranstaltungsort? Wir haben lange in Heilbronn gesucht, weil es eigentlich gegen unser Prinzip ist, zweimal an der gleichen Stelle etwas zu veranstalten. Aber dann sind wir beim Hefenweiler mit seiner an Caspar David Friedrich erinnernden Flügelnuß hängen geblieben. Liebe. Wo sonst als an diesem bezaubernden romantischen Orte in Heilbronn, quasi die Inkarnation des poetischen Winkels in der Stadt am Fluß! (Was dem Wartberg aber durchaus nichts nehmen soll.)

Der Eintritt zu den unseren Lesungen ist zwar frei, es wird jedoch um eine freiwillige Spende zur Unkostendeckung geben. Eine Kasse ist aufgestellt, und wer Spenden steuerlich absetzen kann, für den halten wir einen "Überweisungsträger" bereit. - Bei Regen finden die Lesungen in der Zigarre, Achtungstr. 37, statt.

Jetzt habe ich Ihnen viel erzählt. Das genaue Programm finden Si

Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn. Heinrich von Kleist (1777-1811)
Liebe. Was sonst. 12. Juli bis 12. August 2004, jeweils montags und donnerstags, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler. Bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37.

1 Kommentar:

  1. e hoffentlich in der Presse. Bzw. bei der ersten Lesung am Montag, 12. Mai, 17 Uhr, haben wir vielleicht auch etwas Kopiertes für Sie.<br>1. Januar 1970 um 01:59



    Und noch eins: Es gibt ein bezauberndes Veranstaltungsplakat, das wir als Poster gegen eine Spende ab 4 Euro bei den Lesungen abgeben. Und an einer DVD basteln wir auch. Drücken Sie uns die Daumen, daß wir die Tücken der Technik austricksen können...



    In diesem Sinne grüße ich Sie auch im Namen von Cornelia Bielefeldt und freue mich mit Ihnen über das herrliche Wetter - und auf Ihren Besuch.



    Ihr Günther Emig



    Liebe. Was sonst. 12. Juli bis 12. August 2004, jeweils montags und donnerstags, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler. Bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37.



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    Quelle: Kleist-Archiv Sembdner · Direktor: Günther Emig · Berliner Platz 12 (Theaterforum K3) · D-74072 Heilbronn · E-Mail: kleist@kleist.org · Fax (07131) 56-3699 · Tel. (07131) 56-2668 · Internet: www.kleist.org

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