Montag, 25. April 2005

Gemütlich sitzend zur Hölle - Der Verrat der Intellektuellen - Pamphlet von Ralf Jandl

Professoren gibt es in Divisionsstärke, freilich nur wenige, die die Bedeutung ihrer Berufsbezeichnung kennen und sich danach richten. (Professor: öffentlicher Bekenner)



Um wen geht es überhaupt beim Verrat der Intellektuellen? Der französische Soziologe Julien Benda brachte 1927 sein Pamphlet heraus „La Trahison de clercs“, der Verrat der Intellektuellen, das in Frankreich zu einem Schlüsselwerk der Zeit zwischen den Weltkriegen wurde. Unter „clerc“ verstand der streitbare (jüdische) Franzose die Angehörigen der wissenschaftlichen und künstlerischen Berufe. Heute hätte er einen Schwerpunkt bei den Medienberufen gesehen. Benda war ein radikaler Sozialkritiker. Er buhlte mit keiner Schule, saß zwischen allen Stühlen und erhielt von de Gaulle das Prädikat „un hommme seul“.



Die deutschen Intellektuellen fühlten sich vom Rationalisten Benda und seiner Moralität nicht getroffen. Die erste Übersetzung erschien mehr als fünfzig Jahre nach dem Erscheinen der französischen Erstausgabe 1978 bei Hanser mit einem Vorwort von Jean Amery.



Die Erziehung des Menschengeschlechts



Die Anstrengung der intellektuellen Auseinandersetzung um die Gültigkeit universaler humaner Werte, um die „Erziehung des Menschengeschlechts“, von der G.E. Lessing noch sprach, war im Dritten Reich kein Thema. Wie war es danach? Es kam das Grundgesetz mit Grundrechten, die rasch vertraut wurden, während die Grundpflichten (Steuerpflicht, Wehr-oder Zivildienstpflicht) von vielen erfolgreich ignoriert wurden.



J.P. Sartre hat sich in seiner Schrift „Plädoyer für die Intellektuellen“ mit diesen wunderlichen Menschen befasst. Er führt den Begriff historisch zurück auf das Engagement von Publizisten in der berüchtigten Dreyfus Affäre im 19. Jahrhundert in Frankreich und ordnet ihr die Vertreter des sogenannten tertiären Bereiches zu, die als Hüter der Tradition, aber auch mit einem Ausdruck Gramscis als „Beamte des Überbaus“ fungieren. Der Vorwurf gegen diese Intellektuellen ist meist, dass sie sich um Dinge kümmern, die sie eigentlich nichts angehen. Und genau darin liegt ihre Aufgabe. Sie haben sich um Dinge zu kümmern, die von niemandem sonst aufgegriffen werden, weil sie über das Interesse der Einzelnen hinausgehen. Zwar ist es für den Betrachter fast schwindelerregend, dass sich Starintellektuelle wie Walter Jens über Bundesliga, Judastheologie, Völkermord in Ruanda gleichermaßen kompetent äussern. Doch sollte man darob nicht erschrecken. Es geht nicht um geistige Omnipotenz, sondern um die Konkretisierung allgemeiner Grundsätze wie Gerechtigkeit, Humanität u.a, was bei der Bundesliga nicht einfach sein dürfte.



Die Aufgabe der Intellektuellen wäre somit die Anwendung abstrakter humaner Kriterien auf besondere Entwicklungen, Situationen und Gruppen, zu der die unmittelbar Betroffenen gerade wegen ihrer Betroffenheit nicht in der Lage sind. So wird der Intellektuelle Spezialist für die Rechte der Menschen und als Generalist zum Wahrer des Gemeinwohles, das heute bei uns darnieder liegt.



Freischwebendes Gemeinwohl



Schon der konservative Rechtsgelehrte Ernst Forsthoff stellte in den Siebzigerjahren fest, dass für das Gemeinwohl in der Bundesrepublik niemand zuständig ist.



Je härter der Existenzkampf wieder wird, desto fataler wird das Schweigen mancher Intellektueller zu den Ursachen des Niedergangs der westlichen Kultur und speziell Deutschlands, dem schon oft an die Wand gemalten Untergang des Abendlands. Die Gründe für diesen Niedergang sind vielfältig. Jede Vereinfachung ist gefährlich, aber empirisch feststellbar ist: wer sich nicht anstrengen muss, strengt sich auch nicht an.



Wer im wohlgemeinten Interesse Schwächeren zu helfen, soziale Erleichterungen vorsieht, darf sie nicht auch auf Leistungsfähige ausdehnen, wie es seit 68 geschah.



„Ja, wie“, werden ergraute 68er sagen, „wir sollen schuld sein, das ist doch unerhört!“ Doch zumindest die These muss erlaubt sein. Dass „68“ sich nicht durchsetzen konnte ist eine vordergründige Wahrheit. Richtig ist, dass die Gesellschaft seit 68 tiefgreifend umgestaltet wurde. Sie wurde demokratischer, liberaler und banaler. Das Leistungsprinzip wurde in der Bildung durch das Lustprinzip - alles muss Spaß machen - weitgehend abgelöst, mit der Folge, dass die Jugend für das Berufsleben denkbar schlecht gerüstet ist. Sie ist cool und genussfähiger als alle Generationen vorher, was ihr gegönnt sei, was ihre Chancen angeht aber nicht zu beneiden.



Per aspera ad astra



Die Inschrift „per aspera ad astra“ - „auf rauen Wegen zu den Sternen“ wie auf dem Gymnasium des Verfassers in Bietigheim/Enz würde heute selbst an einer Kaserne von Eliteeinheiten nicht geduldet. So etwas passt nicht in die Fungesellschaft. Verbal kann man Mühe und Not der menschlichen Existenz durchaus durch freundliche Formulierungen ersetzen, beseitigen tut man die Fakten damit nicht, was im Leben der Gesellschaft und der Einzelnen irgendwann immer deutlich wird.



Wer soll über individuelle Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Globalisierungsfolgen nachdenken und ohne Rücksicht auf Auflagen und Einschaltquoten publizieren, wenn nicht die Intellektuellen? Wer stellt klar, dass „wellness“ nicht das letzte Ziel der Menschheit ist? In manchen Weltregionen besteht „wellness“ nicht in Whirlpools, sondern schon in brauchbarem Wasser und etwas Nahrung.



Vergoldung der Latrinen



Die Forschung über die langen Wellen der Konjunktur sieht die sechste Konjunkturwelle, nach dem Entdecker Kondratieff genannt, im Bereich von Gesundheit und Wellness. Wohlan, aber hoffentlich nicht durch Vergoldung der Latrinen im Norden, sondern auch ein wenig durch Fortschritt der Gesundheit und Wellness im Süden des Globus. Die perfekteste Wohlfahrt im Norden nützt nichts, wenn der Süden nicht auch partizipiert, sonst holt er sich eines Tages, was er braucht, und der Norden und Westen kann nur noch in Schönheit sterben, was ja die wenigsten wollen.



Und an alldem sollen die Intellektuellen schuld sein? Ja, wer denn sonst! Haben sie doch das Sagen, das Wort zu ihrer Verfügung. Wer Probleme erkennt und seine Erkenntnis verbirgt statt sich zu engagieren, ist, um einen alten Begriff zu verwenden, ein Hundsfott.



Gefragt ist nicht, ob das „System“ schuld ist. Das System besteht aus Einzelmenschen mit einem berechtigten, selbst von Nietzsche zuerkannten Lüstchen bei Tage und einem Lüstchen bei Nacht. Mehr ist schädlich für Kondition und Wellness, heißt es.



Die Macher in Staat und Wirtschaft, die „action Freunde“, machen am liebsten bis nichts mehr zu machen ist. Das ist in etwa unsere Situation. Die Macher zu stoppen und ihre vordergründigen Motive zu decouvrieren, ist Sache der Intellektuellen.



„Ja wie“, höre ich einen virtuellen Altphilologen aus Bad Saulgau sagen, „ich soll mich für die Gesellschaft und den blöden Staat engagieren, der mir wieder eine Stunde mehr aufgebrummt hat?“ Jawohl, dies soll er, nicht nur von „virtus“ (Tugend, Mannhaftigkeit) schwätzen, sondern eintreten für die Jugend, die Gesellschaft und den Staat. Die Relationen der Werte sind im Gehege des Öffentlichen Dienstes verloren gegangen. Der Begriff „Staatsdiener“ ist nur noch für das Kabarett tauglich. Keine Spur vom franziskanischen Denken, dem „servus servorum“ (Knecht der Knechte), stattdessen unaufgeklärte Absolutisten und Selbstdarsteller fast überall, vor allem in Leitungsfunktionen.

Zu tadeln sind alle, die mit dem Wort umgehen und dabei ihre Gedanken verstecken. Das sind weniger die dem Wort verpflichteten Theologen als die hohen Priester und Priesterinnen in den Medien.



Was hindert die Medien eigentlich, den Gedanken der Aufklärung wieder aufzunehmen?

Ist es die Ausgewogenheit der Berichterstattung? Nun, es gibt Meinungen, die dem einen oder einer sozialen Gruppe passen oder nicht, Tatsachen aber sind richtig oder falsch. „Verlegerinteressen“ kann es beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht geben.

Warum so wenig Berichte über Afrika oder Südamerika, Not, Elend und ihre Ursachen in Deutschland und anderswo?



Die öffentlich-rechtlichen Sender, an sich unabhängig wie kein Medium zuvor - buhlen um Einschaltquoten, um Geld, und sind nur graduell anders wie die Privatsender, was ihnen früher oder später den Garaus machen wird. Sartre nennt Intellektuelle falsche Intellektuelle, wenn sie die Möglichkeit haben, entsprechend zu wirken, dies aber nicht tun. Wer aber kritisiert im Fernsehen das Fernsehen?



Embedded intellectuals



Die „embedded intellectuals“ haben auch im Frieden ihre spezifischen Probleme, siehe Franz Alt, siehe Gunter Haug und viele andere. Vor allem fehlt es der Szene insgesamt an Mut, einer Eigenschaft, die kurioserweise nur noch in Managementkursen als survival training geübt wird, für den staatlichen und halbstaatlichen Bereich und für Wissenschaft und Kunst aber ohne Belang zu sein scheint. Mut ist grundgesetzkonform und nicht destruktiv, sondern konstruktiv zu werten. Trotz des „citoyen“ Schillers merkwürdigen Verdikt „Mut zeiget auch der Mameluck, Gehorsam ist des Christen Schmuck!“ sollten gerade auch echte Christen den Mund aufmachen. Hölderlin nannte die Deutschen tatenarm und gedankenvoll. In Anbetracht mancher Taten wäre es besser gewesen, er hätte recht gehabt. Andererseits kann es in Krisenzeiten nicht toleriert werden, wenn die Intelligenz zwar weiß, was zu tun wäre, aber im Hinblick auf mögliche Konsequenzen für sich selbst in tatenloser Kritik verharrt.



Das ist die eine Wurzel des Übels.



Freilich haben es „freie Intellektuelle“ nicht viel besser, da die Existenz einer Meinung nur über die Medien beachtet wird, wo alles entsprechend mehr oder weniger „embedded“ wird. Peter Handke erlaubte sich zu Bosnien eine abweichende Meinung zu haben und wurde sofort vom Platz gestellt. Selbst das Bundesverfassungsgericht gibt den Richtern die Möglichkeit, eine „dissenting opinion“ zu äußern. Wo blieb ein deutscher Voltaire oder auch nur ein Voltairle, der am Beispiel Handke auf die Einschränkung der Meinungsfreiheit hingewiesen hätte?



Wahrscheinlich hatte niemand Zeit?



Wir alle leben heute in der Gefahr, nur noch formatierte Weltbilder zu erhalten. Die Grenzen der Meinungsfreiheit sind vom Bundesverfassungsgericht sehr weit gezogen worden. Sie sollten in der Praxis nicht freiwillig verengt werden.



Sitz der babylonischen Hure



Die babylonische Hure ist ohne festen Wohnsitz, aber am häufigsten in Hollywood anzutreffen. Von USA aus erfolgt heute „die Erziehung des Menschengeschlechts“ und keineswegs nur für freedom und democracy. Ziel ist global die Kommerzialisierung aller Lebensbereiche, wie sie in Deutschland seit 1945 schon weitgehend erreicht worden ist.



Die Kommerzialisierung des Lebens ist die zweite Wurzel des Übels.



Die dritte ist, dass die Sitten der Bevölkerung gerade oft von den „staatstragenden Schichten“ verdorben werden. Nicht die Bevölkerung macht manche Medien so trivial, sondern korrupte falsche Intellektuelle, denen Geld über alles geht. Außerdem ist es wohliger, im warmen mainstream abwärts zu schwimmen als gegen den Strom mühsam zu den kalten Quellen vorzudringen.



Während die Russen in der DDR die deutsche Kultur kaum antasteten, ja traditionell Respekt und Bewunderung vor ihr hatten, wurde im freien Westen möglichst alles nicht durch money Messbare abgeschafft. Widerstände gab es wenig, nur kleine Segmente der Kirchen, die pietistisch oder franziskanisch dachten, oder echte Konservative, z.B. auch Bauern, verbaten sich jede Beeinflussung durch die Konsumindustrie. Alles andere machte kritiklos mit im Stil der neuen Zeit. Es gab ja auch echt Fröhliches wie den Rock’n’Roll, später die Beatles und vor allem im Bildungsbereich immer weniger Anforderungen.



Übersehen wird dabei dass der kleine Mann und die kleine Frau, die als Adressat von Kunst und Kultur wenig beachtet werden, sich noch heute von Vorbildern beeinflussen lassen.



Salzlose Gesellschaft



Es zeigt sich das schon in der Bibel angesprochene säkulare Problem, mit was man salzen soll, wenn das Salz stumpf ist. Ist schon die Oberschicht unmoralisch oder gar kriminell, wird die Steuerhinterziehung zum Volkssport, Wehrdienst- oder Zivildienstumgehung zum positiven Qualifikationsmerkmal. Achten Sie auf die Lebensläufe der Politiker. Selbst Verteidigungsminister kann man ohne Wehrdienst werden. Very clever! Das Verhalten der „Eliten“ ist für die Bevölkerung zu allen Zeiten ein wichtiges Kriterium gewesen.



Wie sagte ein Bauer im Gäu? „Wie hätte ich denn beim Beginn des Dritten Reiches auf die Idee kommen können, dass das nichts Gutes ist, wenn bei jedem Aufmarsch der Arzt und die Lehrer vorne standen?“ 80% der Ärzte und in manchen Gegenden auch 80% der evangelischen Pfarrer waren NSDAP-Mitglieder.



Heute geht’s um lässlichere Sünden. „Wenn die hohen Herrn beim Finanzamt und Versicherung betrügen, ja dann muss ich ja erst recht“, denkt so mancher Arbeitnehmer.



Würden die Deutschen ein Viertel der Begeisterung, die sie für den NS Staat freiwillig aufbrachten, für unseren demokratischen Staat und seine Ziele aufbringen, wären wir aus allen Problemen heraus.



Bei uns hat man den Eindruck, die Bundesrepublik sei für manche nur eine große Milchkuh, die es zu melken gälte. Jetzt aber ist das Euter schlaff, und mit Steuersenkungen allein wird man es nicht füllen können.



Die Alternative heißt für die Deutschen nicht „flüchten oder standhalten“, sondern einfach wieder realistisch werden, wie es in den Fünfziger- und Sechzigerjahren noch ganz selbstverständlich war, das heißt sozial und ökonomisch denken.



Liberales, soziales Denken und ökonomische Vernunft schließen sich nicht aus. Die soziale Marktwirtschaft war möglich, ist möglich und wird möglich bleiben, wenn man will.



Talkshows reichen nicht



Mit Talkshows allein wird man die Problematik aber nicht lösen können. Solange der Rubel rollte, war alles kein Problem. Jetzt kann man am Staat die Knochen sehen. Ohne Wachstum, das auf Dauer ein Verhängnis wäre, fehlt das Schmiermittel, um alle Friktionen zu vermeiden. Jetzt müssen absolute Prioritäten über die Verteilung bestimmen, was historisch gesehen normal ist, bei uns freilich noch ungewohnt. Nicht der Mangel ist unnatürlich, sondern der Überfluss.



In Deutschland ist eine Standortbestimmung nach innen und außen unumgänglich. Die Politik ist daran noch nicht ausreichend interessiert und ohne Wissenschaft auch nicht in der Lage. Dringend nötig ist, dass es in Deutschland nach französischem Muster zu einem intellektuellen Diskurs kommt, der über Habermas, Enzensberger und Sloterdijk hinausgeht. Er sollte von den Universitäten initiiert werden, wo Einzelkämpfer, wie Wertheimer in Tübingen, das Fähnlein der Vernunft schon jetzt tapfer hochhalten.



Verein zorniger alter Männer



In Frage kommt auch ein bundesweiter Verein zorniger alter Männer, die in den Fünfziger- und Sechzigerjahren wertorientiert und rechtsstaatlich ausgebildet wurden, der Verluderung von Staat und Gesellschaft mit der Faust in der Tasche zusahen und jetzt von der Bank der Alten nicht nur granteln wollen, sondern die Protagonisten auf dem Feld der Gesellschaft und Politik verunsichern (wäre schon ein großer Erfolg) und Alternativen zeigen möchten.



Deutschland und Europa waren große Versuchsanstalten der Weltgeschichte. Vieles ging daneben, weil man bei allem Erkenntnisstreben die Ethik vernachlässigte. Die europäische Kultur ist nicht von vornherein besser als andere Kulturen, aber auch nicht schlechter. Als Partner anderer Kulturen ist sie gleichberechtigt, was manchen leider zu wenig ist. Ohne globale Toleranz werden wir die Aufgaben der Zukunft nicht bewältigen. Toleranz war das Motto der Aufklärung und muss es auch heute sein. Unterschiede der Kulturen sind zwangsläufig und zu tolerieren, eine vermeintlich „bessere“ Kultur durch militärische Lösungen anderen zu oktroyieren, verwerflich.



Versuchen wir es einmal mit Metatheologie, Metapolitik, Metaökonomie usw. Vielleicht kommen wir wieder zum Sinn menschlichen Lebens und Handelns. Wie der Schwabe sagt, gewissermaßen „hintersche vier“!



Kritik ist nicht zersetzend sondern notwendiger Impuls für Verbesserungen. Hierzu ist jeder aufgerufen, vor allem aber die Intellektuellen.

Abwärts geht alles leichter, aber das Ziel kann nicht sein, neben dem Schlechten auch das Positive unserer Kultur aufzugeben und gemütlich sitzend zur Hölle eines totalen Zusammenbruches zu fahren.






Der Autor war von 1975 -2002 Ministerialbeamter in Stuttgart. Er hat unter dem Pseudonym Karl Napf mehrere Bücher publiziert. Zuletzt: Der wahre Jakob - das wundersame Leben des Emmerich Pulcher“, erschienen bei DVA; München 2003, indem er das Fazit seines Lebens und der heutigen Gesellschaft zieht mit der Feststellung: die Fehler sind alle bekannt und werden weitergemacht.



Publiziert mit Genehmigung des Autors. April 2005.

An Schuldzuweisungen fehlt es dem deutschen Bürger nie. Traditionell sind die Kommunisten an allem schuld, jetzt zumindest die Sozialdemokraten, und sehr bewährt waren und sind auch die Kapitalisten und Juden als Wurzel alles Bösen. Den Juden die Schuld am derzeitigen Niedergang Deutschlands zu geben wäre aber sehr kühn. Sie fehlen in manchen gesellschaftlichen Bereichen fast völlig und sind auch in Wissenschaft und Kunst nicht mehr repräsentativ, seit sie vor 60,70 Jahren ermordet oder vertrieben wurden. Seither ist die Geistigkeit bei uns, von Ausnahmen abgesehen, qualitativ nur noch „mittlerer Art und Güte“, quantitativ aber sehr beeindruckend. Die ungeheure Aufblähung des Bildungsapparates, das großzügige Besoldungsrecht an Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen, Berufsakademien (die sich alle Universität nennen dürfen) ist Ausdruck einer weitgehenden Nivellierung, die die Misere eher verursacht als beseitigt hat.

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