Montag, 5. März 2007

Däheim in de Sprooch – - In der Sprache daheim -



19. Mund-Art Literatur-Werkstatt vom 30. März bis 1. April 2007





Die 19. Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt wird in diesem Jahr vom 30. März bis 1. April stattfinden. Auftakt ist am Freitag um 20 Uhr mit der öffentlichen Lesung im Weiler Stapflehus. Am Samstag werden die sieben Autorinnen und Autoren mit dem Moderator an ihren Texten zum Thema "däheim in de Sprooch – in der Sprache daheim" in der Stadtbibliothek Schopfheim arbeiten. Abends um 20 Uhr findet die traditionelle Lesung im Museumskeller statt. Nach weiterer Werkstattarbeit endet das Treffen mit dem Empfang im Ratssaal der Stadt.



Zudem werden drei Autorenbesuche im Unterricht an Schulen der Umgebung durchgeführt. Stefan Pflaum wird in der Friedrich-Ebert Schule, Anton Tauscher am Theodor-Heuss Gymnasium in Schopfheim und Markus Manfred Jung an der Wiesentalschule in Maulburg lesen und mit den Schülern diskutieren.



Teilnehmer sind:



Ronald Euler, 1966 in Sarre-Union im Nordelsass geboren, ist nach dem Studium der Germanistik in Straßburg heute Grundschullehrer. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Seine Literatursprachen sind Lothringerplatt und Französisch. Im letzten Jahr veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband, „Versesplittere, Lewessplittere“. André Weckmann hält ihn für einen der wenigen großen Hoffnungen, literarisch die lothringisch-elsässische Kultur weiterführen zu können.



mit uffene Awwe



ne schittle



àss er uffwàcht



e Blick ihm schenke



àss er uffschnüft



e Hànd ihm lànge



àss 's Herz uffbliehjt



àss er Mensch villicht werd



de Unmensch weglosst



de Iwwermensch vertribt



un endlich



de Hànd sim Mitmensch gitt



e Mensch sin



enfàch numme



uffrecht Mensch ze sin



mit uffene Awwe



's Menschsin träme



träme





Markus Manfred Jung, Studiendirektor am Gymnasium in Schopfheim, begründete zusammen mit dem 2000 verstorbenen Dichter Thomas Burth die Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt und leitet sie. Vor allem mit seiner Lyrik ist er über die Grenzen des alemannischen Raums hinaus bekannt. Unter anderem wurde sein Schaffen in Italien (Meran) und Rumänien (Cluj/Klausenburg) ausgezeichnet. Seine letzten Gedichtbände sind „Prin umbre lungi-durch lange Schatten“ (rumänisch-deutsch), „Parole come l'erba“ (italienisch-alemannisch) und „am gääche rank“.



au mi



hät er verführt



de wind



dä wolketriiber



wo fädreliicht fingerlet



im fiine hoor



vo dir





Karin Klee, an Weihnachten 1961 auf die Welt gekommen, arbeitet als Zeitungsredakteurin und lebt in Wadern. Als Preisträgerin beim saarländischen Mundartwettbewerb 1984 und danach 20-jähriger literarischer Schreibpause, fand sie in den letzten Jahren zu ihrer moselfränkischen Literatursprache zurück. In ihrem Beruf erhielt sie 1992 den saarländischen Journalistenpreis. Heute ist sie Sprecherin der bekannten „bosener gruppe“. Sie veröffentlichte Gedichte und Kurzgeschichten in Hochdeutsch und Mundart in Zeitschriften und Anthologien. Ihr erstes Buch erscheint demnächst.



ald on nau



wo de Könner spille



wo de Schoole sönn



wo de Beätglock laut



wo de Bahn läft



wo de Meschdekaul e Mauer hat



wo de Mensche maule kinne



wo de disch blönd zeresch föndschd



wo deisch die Leid an Zong on Naas kenne



do woärschde mo dähäm





Margit Müller-Seeberger, 1950 in Frastanz-Gurtis im österreichischen Vorarlberg geboren, lebt auch heute noch dort. Sie ist Mutter von vier Kindern. Seit über 20 Jahren schreibt sie Gedichte und Geschichten in Hochdeutsch und alemannischer Mundart, eindringliche poetische Arbeiten, die in knapper, klarer und lyrisch verdichteter Sprache einen genauen Blick auf die Welt verraten. Als Doppelbegabung gestaltet sie ihre Texte bildnerisch selbst. Ihr Buch „Ohne Titel“ ist so ein eindrückliches Gesamtkunstwerk geworden.



Mundart



Wortfaetza



ussagschrentze



Stoff-taeler



us dr Dorffahna



mit Bendl verbunda



schnür i sie



um min nackiga Lieb



denn



dia zur Schau-stellig



scham-los





Stefan Pflaum, Fachleiter am Sprachenkolleg für studierende Ausländer in Freiburg, wohnhaft in Schallstadt, schreibt seit einigen Jahren Geschichten und Gedichte in niederalemannischer Mundart. Bekannt sind seine Auftritte (und die 5 CDs) im Duo Pflaum&Sesterhenn. In zwei Tonlagen ist er ein Meister: im mundartlichen Sprachspiel und in der humoristisch-satirischen Pointe. Sie führt den oft abgestraften Begriff „Heimat“ aus einem modernen und kritischen Blickwinkel vor. Als viertes Buch (mit CD) erschien kürzlich „Glitzerwelt un Schwangerschafte“.



Deselb Weg



Sie het halt so n ä Lächle gha



für mich.



Un ihri Stimm'



isch Honig gsin



für mich.



Un wie si gange n isch



so näbe mir



mit mir



am Bach entlang



bis hinter d Bruck



zu sellre Bank im Boge



unter de Truuerweide.



Dert het s is aanezooge.



Un Wort um Wort



un Kuss um Kuss



isch d Zit verfloge.





Heidemarie Rützel, 1950 als achtes Kind in einer plattdeutsch sprechenden Familie mitten in Schleswig-Holstein aufgewachsen, lebt heute in Eckernförde. Erst 2002 fand sie zur Sprache ihrer Kindheit zurück. Als Krankenschwester, Hausfrau und Familienmensch verknüpft sie ihre alltäglichen Erfahrungen eng mit ihrem schriftstellerischen Anliegen. Sie schreibt in der Schrift- und in der Mund-Sprache Geschichten, die schwierige Zeitgeschichte und Erlebtes mit klarem, humorvollen Blick auf Sonderbares und Sonderlinge zum Inhalt haben. Drei Bücher sind in den letzten beiden Jahren erschienen, „Unser dääglich Broot“, „Ikarus sein Geist kümmt eerst wenn de Maand schient“ und „Hein Bottermelk“. 2006 erhielt sie den Plattdeutschen Freudenthalpreis.



Ik bün



Ik bün nich



op de Welt



üm fastbackte Formen



'n Loffleed to singen.



Se mit 'n



Beitel to bearbeiten



bün ik nich



gau noog.



Fallende Splitter



draap mi hart.





Anton Tauscher, geboren im Mai 1960 in Stuttgart ist aus der schwäbischen Liedermacherszene nicht mehr wegzudenken. Lustig, hintersinnig und manchmal melancholisch glänzt der Systemanalytiker, -das ist sein Beruf!,- nicht nur mit seinen Liedtexten, sondern auch als virtuoser Gitarrist. Im Duo AlbTräumer erhielt er zusammen mit Roland Geiger 2004 den Sebastian-Blau-Preis. Bisher liegen drei CDs von ihm vor, u.a. „Die AlbTräumer“ - Blues, Folk&Fun. Als Duo Knitz & liederlich tritt er mit dem in Schopfheim bestens bekannten schwäbischen Dichter Hanno Kluge auf.



Wo gher i no



Wenn du mi frogsch, woher i komm,



ond wer i ben, no bleib i schdomm.



Was isch drhoim, wo ghert mer nô,



ob mer dees so oifach sagâ kô?



Wo „Daggl“ längscht koi Schempfwort isch,



mit „Legg me am Arsch“ no freindlich bisch,



wo „wenig gschwätzt“ zur Tugend ghert



ond jeder Moischder Daimler fehrt.



Wo mer statt heba lubfa duat,



ond Brezzla schmeggad obacha guat.



Wer beim Fangerle wetza kô



ond aus Breschdleng Xälz macha ko...





Moderator ist wieder Volker Habermaier, Studiendirektor am Schopfheimer Theodor-Heuss-Gymnasium. Der aus dem Schwabenland stammende Germanist und Historiker publiziert wissenschaftliche Aufsätze zu literarischen, historischen und musikalischen Themen. Zudem ist er Schulbuchautor und Verfasser fachdidaktischer Arbeiten, auch zur Mundartliteratur. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Kürnberg.

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