Donnerstag, 15. Juli 2004

Literarische Sommertage des VS in Ehingen



In Ehingen / Donau, südlich von Ulm, finden ab morgen bis Sonntag wieder die traditionellen Sommertage der Literatur statt, veranstaltet vom Verband deutscher Schriftsteller (VS) in Baden-Württemberg.
Literaturinteressierte sind herzlich eingeladen, nach Ehingen zu kommen. Und wer einmal die Gelegenheit haben will, mit SchriftstellerInnen ins Gespräch zu kommen, sei gesagt: nirgendwo sonst geht es leichter! Neben Martin und Johanna Walser erwarten wir übrigens Jürgen Lodemann, Otto Jägersberg und zahlreiche weitere AutorInnen zu Lesungen und Werkstattgesprächen.
Das Programm ist hier einzusehen.

Dienstag, 6. Juli 2004

wortwechsel - literatursommer Vaihingen/Enz



wortwechsel
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Literarischer Sommer
in Vaihingen an der Enz
Im Garten Frederick/Weber
in den Köpfwiesen, Im Mühlkanal
bei ungünstiger Witterung im Gasthaus Engel, Stuttgarter Straße
--- Eintritt frei ---
Schwäbisch-Alemannisches
Fr., 23.7.2004, 20 Uhr:
Martin Schleker (Schwäbische Alb) und Manfred Markus Jung (Hochrhein)
Fantasy und Science Fiction
Fr., 30.7. 2004, 20 Uhr:
Nina Blazon (Stuttgart) und Marcus Hammerschmitt (Tübingen)
Extravagante Querulanten
Fr., 06.8. 2004, 20 Uhr
Martina Kieninger (Montevideo/Uruguay) und Matthias Kehle (Karlsruhe)
Eine Veranstaltung des ligatur e.V. in Zusammenarbeit mit: dem Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e.V., der Buchhandlung Burkhardt, dem Gasthaus Engel und dem Kulturamt der Stadt Vaihingen/Enz
Details mit Weggbeschreibung (PDF):

Freitag, 2. Juli 2004

Emine Sevgi Özdamar ist Kleist-Preisträgerin 2004



Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn. Heinrich von Kleist (1777-1811)
Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn
Eilmeldung, die uns eben erreicht hat: Kleist-Preis 2004. Preisträger(in) steht fest: Emine Sevgi Özdamar.
Mehr siehe www.kleist.org/kleistpreis/2004.

Liebe. Was sonst. 12. Juli bis 12. August 2004

Liebe Freunde des Kleist-Archivs Sembdner,

aus vielen Rückfragen das ganze Jahr über wissen wir: Sie sind gespannt, ob und was wir in diesem Jahr zum Thema Literaturlesung im Freien zu bieten haben.

Ob? Ist das die Frage? - Ja, wir haben es uns sehr überlegt, ob wir es noch einmal probieren wollen. Unser zeitlicher und emotionaler Einsatz ist hoch: erst sich was Originelles ausdenken; Vorbereitungen zu treffen zu Zeiten, in denen andere gemütlich ihren Sonntagsnachmittagskaffee trinken; mit einer "lowest-budget-Finanzierung" hinkommen zu müssen (kosten darf's leider nur wenig); wissen, daß man am Ende u. U. sehr handfest zupacken muß, wenn's beispielsweise um so prosaische Dinge wie Auf- und Abstuhlen geht. Ein bißchen auch der Ärger, daß andere finanziell und personell stärker auf Rosen gebettet sind als wir.

Und dann haben wir an Sie, liebe Literaturfreundinnen und -freunde, liebe Fans, gedacht: Wir vertrauen darauf, daß Sie uns nicht hängen werden. Sie haben im letzten Jahr so fleißig mit aufgestuhlt, Sie haben durch Ihre Spenden 60% unserer Unkosten gedeckt. Und irgendwie ist es auch toll, wenn man sich wieder einmal sieht.

Was wir lesen? Als ob das die Frage wäre:

Liebe. Was sonst.

"Liebe. Was sonst." genauso heißt heißt unsere vierwöchige Open-air-Lesereihe, die wir, das Kleist-Archiv Sembdner, vom 12. Juli bis 12. August gemeinsam mit Cornelia Bielefeldt auf dem Heilbronner Hefenweiler (nördliche Inselspitze beim Insel-Hotel) veranstalten.

Jeweils montags und donnerstags um 17 Uhr, bei Regen in der Zigarre, Achtungstr. 37.

Dabei soll jenes elementare Gefühl in ausgesuchten Erzählungen lebendig werden, das die Menschheit seit Anbeginn umtreibt. Schmetterlinge im Bauch, die Momente höchsten Glücks, das man doch nicht festhalten kann, aber auch "Abschied von der Liebe". Wobei das melancholische Moment bitte schön möglichst wenig erlaubt ist. (Elend und Tod gibts schließlich auf dieser Welt genug.)

Unsere Autoren könnten nicht unterschiedlicher sein: Giovanni Boccaccio, Heinrich von Kleist, Gottfried Keller, Guy de Maupassant, Thomas Mann, Anton Tschechow und Thomas Wolfe, um nur mal ein paar Namen zu nennen. Komisch, daß uns das 20. Jahrhundert da so wenig geliefert hat: große Namen zwar, aber viel an Entsagung, Verzweiflung, manchmal auch Zynismus. - Nee, das lassen wir diesmal außen vor. Zu frivol wollen wir aber auch nicht sein, obwohl dies und jenes... Na ja, Sie werden sehen.

Wie wir an die Texte gekommen sind, Cornelia Bielefeldt und ich? Wir haben halt gelesen. Was nicht nach einer halben Seite bei uns gezündet hat, haben wir weggelegt. Erwogen, verworfen. Und jetzt sind wir eigentlich ganz zufrieden.

Wobei wir es uns nicht leicht gemacht haben. Veranstaltungen kann man nämlich auch "einkaufen". Wie Erbsen in der Dose oder Schaschlik in der Vakuumverpackung. Wollten wir aber nicht. Denn wenn man schon Freizeit und Herzblut in eine Sache hängt, soll's auch authentisch sein. Vielleicht haben unsere Open-air-Lesungen deshalb ein bißchen was von Kultstatus bekommen. Weil man dergleichen anderswo selten genug antrifft. "Aus den Knochen gekochte Kraftnahrung statt Instantzeug", so habe ich dies früher mal genannt.

Der Veranstaltungsort? Wir haben lange in Heilbronn gesucht, weil es eigentlich gegen unser Prinzip ist, zweimal an der gleichen Stelle etwas zu veranstalten. Aber dann sind wir beim Hefenweiler mit seiner an Caspar David Friedrich erinnernden Flügelnuß hängen geblieben. Liebe. Wo sonst als an diesem bezaubernden romantischen Orte in Heilbronn, quasi die Inkarnation des poetischen Winkels in der Stadt am Fluß! (Was dem Wartberg aber durchaus nichts nehmen soll.)

Der Eintritt zu den unseren Lesungen ist zwar frei, es wird jedoch um eine freiwillige Spende zur Unkostendeckung geben. Eine Kasse ist aufgestellt, und wer Spenden steuerlich absetzen kann, für den halten wir einen "Überweisungsträger" bereit. - Bei Regen finden die Lesungen in der Zigarre, Achtungstr. 37, statt.

Jetzt habe ich Ihnen viel erzählt. Das genaue Programm finden Si

Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn. Heinrich von Kleist (1777-1811)
Liebe. Was sonst. 12. Juli bis 12. August 2004, jeweils montags und donnerstags, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler. Bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37.

Montag, 21. Juni 2004

Anti-Bachmann-Preis

JA BITTE SCHÖN - WELCHE INZUCHT WIRD DENN HIER BETRIEBEN?????

Daher haben wir das LITERARISCHE MANIFEST FÜR FREIEN ZUGANG ZU DIESEM wichtigen LIteraturwettbewerb ins Netz gestellt. Mit der Möglichkeit für euch, euren Unmut über bestehende Verhältnisse und Seilschaften
in der Literaturszene kundzutun. Per Telefon oder im Gästebuch!!!!!

MACHT DAVON GEBRAUCH - INFORMIERT WEITERE AUTOREN UND SPRACHVERLIEBTE!

Anti-Bachmann-Preis
Habe eben folgende Mail erhalten, die es wert ist, eine breitere Öffentlichkeit zu bekommen. Es geht um den Kotzwettbewerb von Klagenfurt:
Liebe AutorInnen!
Am 23. Juni startet wieder einmal der größte LESEWETTBEWERB im deutschsprachigen Raum - DER INGEBORG BACHMANN LITERATUWETTBERWERB oder wie es neuerdings heisst: „Tage der deutschsprachigen Literatur”.
Wir haben sind gegen die Statuten dieses Wettbewerbes und haben eine Homepage ins Leben gerufen.
Warum? Das Problem:
Für junge (oder ältere) schreib- und formuliertechnisch begabte Talente ist der Zugang zu diesem Wettbewerb so gut wie aussichtslos.
Nicht nur, dass eine Jury über die Texte abstimmt (eh klar und logisch) sondern nur Verlage können Texte von Jungliteraten einsenden und in Zukunft soll nochmal eine Hürde hinzukommen. Denn diese Literaten sollen auch noch von einer Literaturzeitschrift gutgeheißen werden oder sogar schon einmal einen „namhaften” Literaturpreis gewonnen haben.

Mittwoch, 9. Juni 2004

Jochen Weeber und Martin von Arndt im Merlin / Stuttgart



Lesung: Jochen Weeber und Martin von Arndt
»Geschichten, die es schaffen, Kafka mit Loriot zu kreuzen«, schreibt die Presse zu den Texten von Jochen Weeber. Der Reutlinger Schriftsteller, zur Zeit Stipendiat im Esslinger Bahnwärterhaus, formuliert zumeist »bittersüße Gedanken mit ironischem Witz, Schlagkraft und trotzdem viel Gefühl« (Schwäbisches Tagblatt).
Martin von Arndt, u.a. Stadtschreiber von Rottweil 2003, dem die Presse attestierte, er könne »selbst das trockenste Material zu literarisch feinem Stoff wirken«, liest aus seinem im Entstehen begriffenen Roman, einer eindringlich erzählten deutsch-ungarischen Wende- und Liebesgeschichte.
Weeber und von Arndt, zwei Autoren, denen man richtig gerne zuhört – auch deshalb, weil ihre Texte durch den Musiker Franco Vuono (Bass und Gitarre) so wunderbar unterstützt werden.
02.07.2004, 20:00 Uhr, auf der Karlshöhe / Stuttgart (bei schlechtem Wetter im Café Merlin, Augustenstraße 72)

Donnerstag, 3. Juni 2004

Wilhelm Genazino erhält Büchner-Preis

So ungefähr verlief mein Leben in den ersten Jahren. Meine Mutter schien mit dieser Ordnung einverstanden zu sein, was jedoch ein Irrtum war. Denn bald beendete ausgerechnet sie mein friedliches Leben bei ihr zu Hause und steckte mich in einen Kindergarten. Plötzlich waren sechsundzwanzig fremde Kinder um mich herum, die ich nie habe kennenlernen wollen. Zum ersten Mal gab es etwas, was ich nicht verstand. Das heißt, ich brachte es nicht in Übereinstimmung mit dem, was ich vom Leben und von meiner Mutter bis dahin verstanden zu haben glaubte. Ich brach diesen Versuch des Verstehens ab und suchte nach einem anderen Anfang, der besser zu dem bereits Verstandenen paßte. Auf diese Weise entstand die Vorstellung, daß ich von fast allem, was geschieht, immer nur dessen Anfang begreife. Bald war ich in viele, sich übereinanderschichtende Verstehensanfänge verstrickt, von denen ich nicht mehr sagen konnte, was sie mir eigentlich hatten erklären sollen. Bis heute breche ich das Verstehen ab, beziehungsweise ich gerate in eine Stimmung des kindlichen Wartens, wenn die Kompliziertheit überhandnimmt und ich auf einen neuen Anfang des Begreifens angewiesen bin. Das Problem dabei ist die riesige Menge des nur anfänglich Verstandenen, das sich in meinem Geist anhäuft.

(Aus: Ein Regenschirm für diesen Tag)


Wilhelm Genazino erhält Büchner-Preis
Unglück ist langweilig. (Wilhelm Genazino)
Von hier aus einen herzlichen Glückwunsch an unseren baden-württembergischen Kollegen Wilhelm Genazino zur Verleihung des Büchner-Preises. Endlich hat den mal jemand bekommen, der ihn so richtig von Grund auf verdient hat.
Für mich gehört Genazino zu den besten deutschen "Epikern" der letzten 50 Jahre, und daß er bisher eher im Schatten der deutschsprachigen Romanwelten gestanden ist, war für mich immer ein Grund zum Ärgern.
Genazino ist ein Meister der Prosa. Er beherrscht seine Klaviatur als melancholischer "Lyriker" ebenso wie als humoristischer Nörgler. Statt der allenthalben empfohlenen Abschaffel-Trilogie, mit der er in den 70ern erstmals literarischen Ruhm erntete, tendiere ich eher zur Erstlektüre von "Ein Regenschirm für diesen Tag": Für mich eines der schlechthinnigen Top10 Bücher dieses jungen Jahrhunderts.