Montag, 23. Mai 2005

Ausschreibung 2. literarischer Stadtschreiber/in in Ehingen/Donau

Der Ehinger Stadtschreiber erhält von der Stadt ein monatliches Salär
von 1.000 Euro, dazu freie Kost und Logis im Kolleg St. Josef, einem
von der Diözese Rottenburg-Stuttgart getragenen katholischen Internat.
Vom Stadtschreiber erwartet wird die Bereitschaft, während seines/ihres
Aufenthalts sich – in Absprache mit dem Kulturamt – in das kulturelle
Leben der Stadt einzubringen (beispielsweise in Form von Lesung(en),
Schullesung(en), Vortrag, literarische Schreibwerkstatt, Mitarbeit an
Schüler- bzw. Kollegzeitung, literarische Reflexion auf die Zeit / das
Leben in der Stadt etc.), sich also in irgendeiner Weise mit ihr in
Beziehung zu setzen. Erwartet wird ferner im Prinzip eine regelmäßige
Präsenz vor Ort, soll heißen: evtl. Lehr- und sonstige regelmäßige
Verpflichtungen am Heimatort, die Pendeln nach sich zögen, sollten für
die Dauer der Stadtschreiberei ruhen.





Der Stadtschreiber wird für die Dauer seines Aufenthalts im Kolleg St.
Josef wohnen und ist dadurch – wenn auch als Gast – in den
Internatsbetrieb (Studienheim, Konvikt, Ambrosianum) von insgesamt ca.
80 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 11 und 22 Jahren und ca.
12 Erziehern/Betreuern mehr oder weniger eingeklinkt. Die Teilnahme an
den geregelten Mahlzeiten ist erstens jederzeit möglich, und zweitens
überaus erwünscht. Nicht erwartet wird die Teilnahme an kirchlichen und
sonstigen hausinternen Veranstaltungen (was aber durchaus möglich
wäre), jedoch Toleranz gegenüber der christlichen Zielsetzung des
Hauses sowie eine gewisse Offenheit für die Anliegen der Schüler/innen.
Der Stadtschreiber soll nach den Vorstellungen der Kollegsleitung ein
integraler Bestandteil im kulturellen Leben des Hauses sein.





Das Kolleg besitzt ein eigenes Freibad mit Liegewiese, eine nicht zu
kleine Sporthalle, eine Schreiner- und Töpferwerkstatt, Computerräume
mit Internet-Zugang, Etagenküchen, eine Hausbar (für die über
16jährigen), hauseigenen Schreibwaren- und Getränkeladen, anläutbare
Telefonzellen, eine alte historische Bibliothek mit Raritäten und
Kostbarkeiten insbesondere aus dem theologischen Bereich sowie eine
komfortable und beachtenswerte neuere Bibliothek, verschiedene
Musikräume (vier Klaviere) und eine Hauskapelle (mit Orgel). Sofern
Interesse besteht, können im hausinternen Unterricht des
Ambrosianerkollegs, besucht von künftigen Theologiestudenten/innen,
alte Latein-, Griechisch- und Hebräischkenntnisse wieder aufgefrischt
werden. Rauchen im Hause ist strikt verboten (Rauchmelder an jeder Ecke
alarmieren die hausinterne und die städtische Feuerwehr!), in der
Raucherecke außer Haus aber jederzeit gestattet (für über 16jährige).
Neben dem Direktor ist der fußballbegeisterte Hausmeister die
wichtigste Person im Kolleg.





Die Stadt Ehingen ist nicht nur geprägt von „Schleckerland“ und
Liebherr (Baukräne), sondern zeichnet sich neben seinen fünf - davon
vier katholischen - Kirchen (z.T. architektonische Besonderheiten) mit
ihrem konkurrierenden samstagnachmittäglichen Sonntageinläuten (exakt
zwischen 17.00 Uhr und 17.18 Uhr) und seinem kleinen aber feinen
Kulturprogramm (vornehmlich im Kulturzentrum „Franziskanerkloster“, in
dem auch der Hauptteil der VS-Sommertage stattfinden wird) auch durch
seine hohe Wirtshausdichte, drei noch im Betrieb sich befindliche
Brauereien und herbstliche Nebel aus. Kebab-Buden gibt es mindestens so
viele wie Schlecker-Filialen und kopftuchtragende Mädchen und Frauen,
der „Chinese“, bekannt bis ins benachbarte Bayern, ist berühmt für
seinen preiswerten und dennoch sehr feinen Mittagstisch. Legendär die
gepfefferte Hausmacher Schwarzwurst von Metzgermeister Götz, ebenso das
dunkle „Rößle“-Bier von der gleichnamigen Brauerei und die Seelen der
Bäckerei in „Bucks’ Höfle“ sowie die Freundlichkeit der meist
blondgelockten Bäckerei-Verkäuferinnen schon am frühen Morgen, über ein
hohes Renommee verfügt die Urologische Abteilung im Städtischen
Krankenhaus. In der direkt neben das Kolleg gebauten „Lindenhalle“
halten Baden-Württembergs „Grüne“ alljährlich ihren Landesparteitag ab.
(Der GRÜNEN-Politiker Oswald Mezger begann seine politische Karriere
nach seinem Rauswurf aus dem Ehinger Konvikt.) Die Jazz-Nacht Ende
Oktober ist ohne Sperrstunde in den Lokalen. Die Lokalausgaben der
„Schwäbischen Zeitung“ und der Ulmer „Südwestpresse“ stehen in
unmittelbarer und fruchtbarer Konkurrenz zueinander, der Besitzer der
„Schwäbischen Zeitung“, ein äußerst literaturinteressierter und
belesener Mensch, fungiert gleichzeitig als verantwortlicher
Kulturredakteur. Zwischen „St. Blasius“ (Stadtpfarrkirche) und dem
„Deutschen Kaiser“ (etwas heruntergekommene Bier- und Vesperkneipe,
stark frequentiert von den Konviktoren, Bierpreis: 1,70 € je halben
Liter) befindet sich das wohl schiefste Haus Baden-Württembergs,
zumindest muß es einem gelegentlich so vorkommen. Das Ehinger
Top-Ereignis eines jeden Jahres: die Fronleichnamsprozession
(allerdings schon Anfang Juni). Goethe, der auf dem Rückweg von seiner
ersten Italienreise, 1788, Ehingen – bevor er bei Blaubeuren zur
Schwäbischen Alb hochfuhr – mit der Postkutsche zumindest streifte,
nannte die Stadt einen „merck-würdigen Orth“.





Die Zug- und Autoentfernung nach Ulm beträgt gleichermaßen eine knappe halbe Stunde, ebenso die nach Biberach.





Bewerben können sich ausschließlich Mitglieder des VS Baden-Württemberg
unter Einreichung ihrer Biobibliographie (unbedingt schriftlich per
Post, keinesfalls per E-Mail!), und zwar an:





VS Baden-Württemberg


c/o Josef Hoben


Flöttlinstorstr. 20


78628 Rottweil





Ende der Bewerbungsfrist: 30. September 2005



Mitgliedern des VS Baden-Württemberg wird die Möglichkeit geboten, sich
um die Stelle eines literarischen Stadtschreibers/in in der zwischen
Biberach und Ulm gelegenen Kreisstadt Ehingen a.d. Donau (ca. 25.000
Einwohner) zu bewerben. Dauer des Aufenthalts: drei Monate, von ca.
Mitte Januar bis Mitte April 2006. Die Auswahl unter den eingehenden
Bewerbungen wird gemeinsam vom VS-Vorstand, der Stadt Ehingen
(Kulturamt / VHS) und dem Leiter des Kollegs St. Josef getroffen.


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